18 Aug., 2026

Wo faire Standards des TV-Ärzte meist noch fehlen

Struktureller Wandel in der ambulanten Medizin – Trend zur Anstellung und Teilzeit schreitet weiter voran.

Kachelansicht von Dr. med. Diana Butscheike, Dr. med. Karlheinz Kurfeß und Judith Kast

Von Dr. med. Diana Butscheike, Dr. med. Karlheinz Kurfeß und Judith Kast

Der strukturelle Wandel in der ambulanten Medizin setzt sich ungebremst fort. Die Zahl der in Praxen und MVZ angestellten Ärztinnen und Ärzte steigt kontinuierlich, überwiegend in Teilzeit. Gleichzeitig sinkt die Zahl selbstständig Niedergelassener seit Jahren. Oft fehlen im ambulanten Bereich aber noch die fairen Standards unseres TV-Ärzte. Gehälter und Arbeitsbedingungen dürfen in Praxen und MVZ nicht hinterherhinken.

Die Statistiken der Bundesärztekammer belegen diesen Trend: 2024 waren 170.968 Ärztinnen und Ärzte ambulant tätig. Davon arbeiteten 64.341 im Angestelltenverhältnis – fast 38 Prozent und ein Plus von 7,1 Prozent gegenüber 2023. Binnen zwölf Jahren hat sich die Zahl der angestellten Ärztinnen und Ärzte im ambulanten Bereich bundesweit mehr als verdoppelt. Bis 2029/2030 dürfte ihr Anteil bei rund 40 Prozent liegen.

Die Gründe liegen auf der Hand: Die Anstellung in Praxen und MVZ bietet vielen Ärztinnen und Ärzten im Vergleich zur klinischen Tätigkeit attraktivere Arbeitsbedingungen und mehr Flexibilität. Diese Entwicklung verändert die Struktur der Mitgliedschaft im Marburger Bund und in den Ärztekammern in Rheinland-Pfalz. Die wachsende Zahl angestellter Ärztinnen und Ärzte muss sich daher künftig stärker in der Zusammensetzung der Vertreterversammlungen widerspiegeln.

Auch in Rheinland-Pfalz zeigt sich dieser Wandel deutlich: Bei den Hausärztinnen und Hausärzten hat sich die Zahl der Angestellten innerhalb von zehn Jahren von 406 auf 841 mehr als verdoppelt. Bei den Fachärztinnen und Fachärzten stieg der Anteil von 27 auf 46 Prozent. Im vergangenen Jahr entschieden sich 66 Prozent der Neueinsteigerinnen und Neueinsteiger in der ambulanten Versorgung für eine Anstellung, davon 67 Prozent in Teilzeit.

Die Gruppe der angestellten Ärztinnen und Ärzte ist vielfältig: Dazu gehören Ärztinnen und Ärzte in Weiterbildung, Kolleginnen und Kollegen in der ambulanten Pflichtweiterbildung Allgemeinmedizin, Krankenhausärzte mit Teilzeitverträgen sowie ehemalige Praxisinhaber nach dem Verkauf ihrer Praxis.

Der Marburger Bund vertritt die Interessen aller angestellten Ärztinnen und Ärzte. Im ambulanten Bereich gibt es bislang keine Tarifbindung. 

Arbeitsbedingungen müssen individuell ausgehandelt werden. Deshalb beraten wir unsere Mitglieder umfassend und stellen einen Muster-Anstellungsvertrag zur Verfügung. Unsere Erfahrung zeigt jedoch, dass Gehälter und Arbeitsbedingungen häufig deutlich hinter den tariflichen Standards in den Kliniken zurückbleiben. Deshalb fordern wir einen Tarifvertrag für angestellte Ärztinnen und Ärzte in Praxen und MVZ, der mindestens den Standard des TV-Ärzte erreicht. Gleiche Arbeit verdient gleiche Arbeitsbedingungen und gleiche Bezahlung.

Verbesserungsbedarf sehen wir bei der ambulanten Weiterbildung. Häufig reichen die Finanzierungs- und Betreuungsstrukturen nicht aus. Es fehlt ausreichende Zeit für Weiterbildung. Es mangelt am Mentoring, an ausreichender Zeit der Weiterbilder. Standardisierte Curricula? Nachweise der Weiterbildung durch Weiterbilder oder gar die Qualifizierung der Weiterbilder – oftmals Fehlanzeige.

Zugleich setzen wir uns für eine werteorientierte Medizin ein. Die zunehmende Ökonomisierung und Industrialisierung der ambulanten Versorgung belastet insbesondere angestellte Ärztinnen und Ärzte. Deshalb lehnen wir ein ungezügeltes Wachstum renditeorientierter Investoren-MVZ ab. Wir fordern Transparenz bei Eigentümerstrukturen, eine Begrenzung monopolartiger Entwicklungen und der Gewinnmaximierung sowie die Stärkung der Freiberuflichkeit, Arbeitnehmerrechte und Forschung und Lehre.

Damit wir Ihre Interessen in Praxen und MVZ weiterhin wirksam vertreten können, geben Sie bei der Wahl zu den Vertreterversammlungen der Landesärztekammer RLP und Ihrer Bezirksärztekammer beide Stimmen den Listen des Marburger Bundes.

Zu den Autorinnen und dem Autor:

Dr. med. Diana Butscheike ist Kandidatin des Marburger Bundes in Koblenz

Dr. med. Karlheinz Kurfeß ist Vorsitzender der Bezirksärztekammer Koblenz

Judith Kast ist Kandidatin des Marburger Bundes in Trier

Ansprechpartner

Michael Helmkamp

Pressesprecher

Wörthstraße 20, 50668 Köln

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