Mehr Ärztinnen in Führungspositionen
Beruf und Familie müssen besser vereinbar werden
Dr. med. Barbara Jarmusch
Dr. med. Lisa Maiurano
Dr. med. Sonja Dörr
Mariza Oliveira Galvão
Von Dr. med. Barbara Jarmusch, Dr. med. Lisa Maiurano, Dr. med. Sonja Dörr und Mariza Oliveira Galvão
Der ärztliche Beruf befindet sich ebenso wie unsere Gesellschaft in einem tiefgreifenden Wandel. Bei der Vereinbarkeit von Beruf und Familie – insbesondere im Schicht- und Bereitschaftsdienst eines rund um die Uhr arbeitenden Gesundheitssystems – kommt dieser Wandel jedoch nur langsam voran.
Gleichzeitig hat die Arbeitsverdichtung im Gesundheitswesen in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen. Unter dem Druck wirtschaftlicher Vorgaben sind die Anforderungen an Ärztinnen und Ärzte stetig gewachsen. Erholung, Gesundheitsschutz und eine ausgewogene Work-Life-Balance haben deshalb zu Recht einen höheren Stellenwert erhalten.
Hinzu kommt die Care-Arbeit, die Betreuung von Kindern oder die Pflege von Angehörigen. Viele Ärztinnen und Ärzte stehen täglich vor der Herausforderung, berufliche Verantwortung und familiäre Verpflichtungen miteinander zu vereinbaren. Die dafür notwendigen Rahmenbedingungen fehlen jedoch häufig noch immer. In diesem Spannungsfeld bleibt oft kaum Raum für zusätzliches ehrenamtliches Engagement.
Fehlende Strukturen erschweren den Alltag
Teilzeitarbeit ist deshalb für viele Ärztinnen und Ärzte längst keine Ausnahme mehr, sondern notwendige Voraussetzung, um Beruf und Familie vereinbaren zu können. Häufig scheitern individuelle Lösungen an unflexiblen Strukturen: Kinderbetreuungsangebote orientieren sich meist an klassischen Bürozeiten, unsere Dienstpläne lassen wenig Spielraum und manche Vorgaben erschweren moderne Arbeitsmodelle.
Der Marburger Bund setzt sich dafür ein, dass Ärztinnen und Ärzte nicht länger zwischen Familie und Karriere wählen müssen. Weiterbildungszeiten müssen flexibler gestaltet und Teilzeitweiterbildungen stärker gefördert werden. Zudem müssen Weiterbildungsstellen so ausgestaltet sein, dass Ärztinnen auch während Schwangerschaft und Stillzeit ihre berufliche Entwicklung fortsetzen können. Mutterschutzzeiten oder andere gesetzlich vorgesehene Fehlzeiten dürfen nicht zu Nachteilen führen.
Karrieren von Ärztinnen gezielt fördern
Trotz des hohen Frauenanteils in der Medizin sind Ärztinnen in Führungspositionen deutlich unterrepräsentiert. Zwischen der Zahl der Ärztinnen im Beruf und ihrem Anteil in leitenden Funktionen besteht nach wie vor eine erhebliche Lücke.
Diese Ungleichheit ist nicht zeitgemäß. Strukturelle Hürden müssen konsequent abgebaut werden. Gleichzeitig gilt es, erfolgreiche Modelle sichtbar zu machen und gezielt zu fördern. Karrieren von Ärztinnen müssen unabhängig von familiären Lebensentwürfen unterstützt werden. Unser Gesundheitswesen braucht mehr Frauen in Führungsverantwortung – in Kliniken, Praxen, Wissenschaft und Selbstverwaltung.
Auch in der ärztlichen Berufspolitik sind unterschiedliche Perspektiven unverzichtbar. Gerade jüngere Ärztinnen und Ärzte sollten sich stärker in die Selbstverwaltung einbringen. Nur so können ihre Erfahrungen und Anliegen in künftige Entscheidungen einfließen.
Es geht um die Zukunft unseres Berufsstandes. Deshalb bitten wir Sie um Ihre Unterstützung bei den Kammerwahlen. Stärken Sie mit Ihren beiden Stimmen die Listen des Marburger Bundes. Wir wissen aus Erfahrung, niemand vertritt die Interessen der angestellten und beamteten Ärztinnen und Ärzte in den Gremien der Ärztekammern engagierter